Mazdutide: Neues zweifach wirkendes Abnehmmedikament im Überblick

Während bekannte Abnehmspritzen wie Wegovy (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid) den westlichen Markt dominieren, entwickelt sich im asiatischen Raum eine neue Generation von Medikamenten. Mit Mazdutide (auch bekannt unter der Laborbezeichnung IBI362) hat das Unternehmen Innovent Biologics einen Wirkstoff entwickelt, der auf einem zweifachen Wirkprinzip beruht und in China bereits zugelassen ist. Die Studienergebnisse zeigen eine starke Wirkung bei gleichzeitig hoher Verträglichkeit.

📋 Zusammenfassung für den schnellen Leser

  • Wirkungsweise: Ein zweifach wirkendes Medikament (GLP-1 und Glucagon), das gleichzeitig den Appetit bremst („weniger essen“) und den Energieverbrauch des Körpers ankurbelt („mehr verbrennen“).
  • Starke Wirkung: Studien belegen einen Gewichtsverlust von durchschnittlich 14 % in 48 Wochen. Das ist vergleichbar mit westlichen Marktführern, wird aber oft in kürzerer Zeit erreicht.
  • Gute Verträglichkeit: Im Vergleich zu ähnlichen Kombi-Präparaten weist Mazdutide ein sehr gutes Sicherheitsprofil auf, auch wenn am Anfang typische Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit auftreten können.
  • Zulassung: Bisher in China zugelassen. Für Europa und die USA laufen Studien, eine Zulassung wird hier jedoch erst ab 2027 erwartet.

Hintergrund des Wirkstoffs

Mazdutide ist das erste in China entwickelte Abnehmmedikament, das weltweit große Beachtung findet. Die eigentliche Peptidstruktur wurde ursprünglich vom Pharmariesen Eli Lilly entworfen. Das chinesische Biotech-Unternehmen Innovent Biologics lizenzierte die Rechte und trieb die Entwicklung mit beeindruckender Geschwindigkeit voran. Dies zeigt, dass wegweisende medizinische Innovationen zunehmend auch aus dem asiatischen Raum stammen.

Transparenzhinweis: Die wichtigste Zulassungsstudie (GLORY-1) wurde vom Hersteller Innovent Biologics finanziert.

Wirkmechanismus: Ein zweifacher Schalter im Körper

Mazdutide ahmt das natürliche Darmhormon Oxyntomodulin nach, welches nach dem Essen signalisiert, dass wir satt sind. Als sogenannter dualer Agonist aktiviert der Wirkstoff zwei verschiedene Empfangsstellen (Rezeptoren) im Körper gleichzeitig:

Normalerweise würde reines Glucagon den Blutzuckerspiegel erhöhen. Durch den gleichzeitigen GLP-1-Effekt wird dieser Anstieg jedoch ausgeglichen. Das Ergebnis ist eine hocheffektive Kombination aus weniger Appetit und gesteigertem Kalorienverbrauch, ohne den Blutzucker zu gefährden.

Die zentralen Studienergebnisse

GLORY-1: Die große Zulassungsstudie (Juni 2025)

In dieser klinischen Phase-3-Studie wurden 610 übergewichtige Erwachsene über einen Zeitraum von 48 Wochen untersucht:

Zum Vergleich: Das in Deutschland bekannte Wegovy erzielt einen ähnlichen Gewichtsverlust (ca. 15 %), benötigt dafür in Studien jedoch rund 68 Wochen. Mazdutide erreicht dieses Ergebnis also rund 30 % schneller.

Ergebnisse mit höherer Dosierung (März 2026)

Eine weitere Studie testete eine Dosis von 9 mg an Erwachsenen mit starkem Übergewicht. Hier zeigte sich bereits nach 24 Wochen ein Gewichtsverlust von knapp 13 %.

Zusammenfassende Daten (Meta-Analyse, Juni 2026)

Eine Analyse mehrerer Studien bestätigt die gesundheitlichen Vorteile von Mazdutide abseits der Waage:

🔬 Wichtiger Hinweis zur Übertragbarkeit der Studien

Alle bisherigen großen Studien wurden ausschließlich mit Patienten in China durchgeführt. Für die Bewertung im Westen gibt es zwei wichtige Einschränkungen:

  1. Andere Maßstäbe für Übergewicht: In China gilt man bereits ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 28 als fettleibig (adipös), während in Europa dieser Grenzwert erst bei 30 liegt.
  2. Genetische Unterschiede: Da sich der Stoffwechsel je nach ethnischer Herkunft unterscheiden kann, verlangen europäische Behörden oft zusätzliche „Brückenstudien“, um sicherzustellen, dass das Medikament bei uns genauso wirkt und verträglich ist.

Zusatznutzen: Mögliche Harnsäure-Senkung und Fettleber-Ansatz

Über den reinen Gewichtsverlust hinaus zeigt Mazdutide in aktuellen Studien zwei sehr vielversprechende Eigenschaften:

Wie schlägt sich Mazdutide im Klassen-Vergleich?

Eine Netzwerk-Meta-Analyse (Abulehia et al., Endocrinol Diabetes Metab 2026; PMID 41787737) hat die Gewichtsreduktion der wichtigsten Dual- und Triple-Rezeptor-Agonisten gegen Placebo verglichen – mit folgendem Bild:

Mazdutide ist also nicht der stärkste Dual-Agonist, punktet aber mit der günstigsten gastrointestinalen Verträglichkeit – ein klinisch relevanter Vorteil, wenn Patienten Abnehmspritzen wegen Übelkeit oder Erbrechen abbrechen.

Verträglichkeit und typische Nebenwirkungen

Das Sicherheitsprofil entspricht dem anderer Abnehmmedikamente. Die typischen Nebenwirkungen betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt und treten meist während der ersten Wochen auf, wenn der Körper sich an den Wirkstoff gewöhnt (Gewöhnungsphase):

Die Beschwerden sind meist leicht bis mittelschwer. Um diese Nebenwirkungen zu minimieren, wird die Dosis über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen langsam gesteigert.

Verfügbarkeit und rechtliche Situation

In China ist Mazdutide bereits offiziell für die Behandlung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes zugelassen.

In Europa und den USA ist das Medikament derzeit nicht zugelassen. Die abschließenden klinischen Prüfungen laufen noch, mit einer Marktzulassung durch die europäische Behörde EMA wird frühestens für das Jahr 2027 gerechnet.

Warnung vor illegalen Angeboten: Im Internet wird Mazdutide vereinzelt als sogenannte „Forschungschemikalie“ (Research Chemical oder „for research use only“) vertrieben. Der Erwerb und die Anwendung solcher Produkte sind hochgradig riskant. Diese Substanzen unterliegen keinerlei behördlicher Qualitätskontrolle, können verunreinigt sein und schwere Gesundheitsschäden verursachen.

Fazit

Mazdutide stellt eine vielversprechende Weiterentwicklung auf dem Markt der Abnehmmedikamente dar. Durch das duale Wirkprinzip ermöglicht es einen schnellen Gewichtsverlust; erste Daten deuten zudem auf mögliche Zusatznutzen bei Harnsäure-Senkung und Fettleber hin. Für Patienten in Europa heißt es jedoch abwarten, bis die westlichen Studien abgeschlossen sind und eine offizielle, medizinisch begleitete Anwendung ab 2027 möglich wird.

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Wissenschaftliche Quellen